Lesen 2019

Mein Lesejahr 2019 hat hervorragend angefangen. Am 1. Januar las ich „Bluets“ von Maggie Nelson in der Übersetzung von Jan Wilm und während ich halb versank, halb in intellektueller Ehrfurcht versank, wurde mir klar, was für ein schöner Zufall es ist, gleich am ersten Tag eines neuen Jahres ein Buch in die Hand zu nehmen, dessen Lektüre einen so fesselt. (Leider lässt sich so etwas ja nicht planen.)

Einer der besten Lesemomente war der, in dem ich im September in einem Verschlag in der Seepferdchen-Strandsauna auf Sylt bei peitschendem Regen und scharfem Wind eingerollt in Decken, erhitzt von der Sauna (80 Grad), abgekühlt von der Nordseebrandung (18 Grad) dann auch noch Nelsons „Die Argonauten“ las, ein Buch, das meine Sicht auf Geschlechtsumwandlungen und Mutterschaft immens verändert hat. und meine Sicht auf den Tod. Ein Buch über den Körper, seine Wahrnehmung, den Diskurs über Körperlichkeit im Fokus hat zu lesen, während man sich grade selbst so als Körper spürt, verstärkt den Eindruck der Lektüre immens.

Hier nun aber meine kleinen Listen, wie schon in 2018 erneut gesplittet:

Prosa / Fiction

  • Gigantisch-labyrinthisch: „Solenoid“ von Mircea Cărtărescu. Roman (Wien: Zsolnay 2019)
  • Paradox-authentisch: „Wintertagebuch“ von Jan Wilm. Roman (Frankfurt: Schöffling 2019)
  • Poetisch: „Der vorige Sommer und der Sommer davor“ von Peter Kurzeck. Romanfragment (Frankfurt am Main: Schöffling 2019)
  • Kühl-warm: „Der Platz“ von Annie Ernaux. Prosa (Berlin: Suhrkamp 2019)
  • Irritierend-erkenntnisfördernd: „Die Familie“ von Andreas Maier. Roman (Berlin: Suhrkamp 2019)
  • Fesselnd: „Als ich jung war “ von Norbert Gstrein. Roman (München: Hanser 2019)
  • Witzig: „Marzahn, mon amour“ von Katja Oskamp. Erzählungen (Berlin: Hanser 2019)
  • Sehr ärgerlich: „Miroloi“ von Karen Köhler. Roman (München: Hanser 2018)

Lyrik

  • Herausragend: „Berlin Hamlet“ von Szilárd Borbély (Berlin: Suhrkamp 2019)
  • Engagiert: „The Country between us“ von Carolyn Forché. (New York: Harper Perennial 1982)
  • Emanzipiert: „Gedichte 1927 bis 1937“ von Gertrud Kolmar (Göttingen: Wallstein Berlin, 2013)
  • Radikal: „Gedichte“ von Thien Tran (Nettetal: Elif 2019)
  • Inspirierend: „Mein Alphabet“ von Ilma Rakusa (Graz: Droschl Verlag 2019)
  • Klangvoll 1: „Plage“ von Charlotte Warsen (Berlin: KOOKbooks 2019)
  • Elegant: „Vogelwerk“ von Henning Ziebritzki (Göttingen: Wallstein 2019)
  • Klangvoll 2: „hochgestimmt“ von Monika Vasik (Nettetal: Elif 2019)
  • Klangvoll 3 / in between (oder intermedial): „luna luna“ von Maren Kames (Zürich: Secession 2019)

Sachbuch / non fiction

  • Mehrmals: „Bluets“ von Maggie Nelson (Berlin: Hanser 2019)
  • Erkenntnisfördernd: „Die Argonauten“ von Maggie Nelson (Berlin: Hanser 2018)
  • Lehrreich: „Trigger Warnung“ (Berlin: Verbrecher Verlag 2019)
  • Sprachverliebt 1: „Das Komma und das Und“ von Kerstin Preiwuß (Mannheim: Duden Verlag 2019)
  • Sprachverliebt 2: „Deutsch für alle“ von Abbas Khider (Berlin: Hanser 2019)
  • Bunt und un/heilig: „Tattoo & Religion“ von Paul-Henri Campbell (Heidelberg: Wunderhorn 2019)
  • Tränenreich: „Meine Homère ist tot“ von Hélène Cixous (Wien: Passagen 2019)
  • Sprachverliebt 3: „Champagner für die Pferde“ von Monika Rinck (Frankfurt am Main: S. Fischer 2019)
  • Zwiespältig. Tendenz zu eindrucksvoll: „Hölderlins Geister“ von Karl-Heinz Ott (München: Hanser 2019)

Bestimmt habe ich auch wieder was vergessen, sofort fällt mir Anne Carson „Rot“ ein. Zwei Romane in Versen, die Anja Utler neu übersetzt und die 2019 bei Fischer erschienen sind. Und, und, und … Aber Listen sind ja keine Gebrauchsanweisungen, der Anspruch auf Vollständigkeit beim Lesen sowieso kompletter Unsinn.

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