SWR Bestenliste, Aufzeichnung in Mainz, 17. Juni 2026

Im Gespräch mit Gregort Dotzauer, Christoph Schröder unter der Moderation von Carsten Otte wird es gehen um Marie Luise Kaschnitz „Orte“, Elfriede Jelinek „Unter Tieren“, Dana Grigorcea „Tanzende Frau, blauer Hahn“ und Peter Hruškas Gedichtband „Und ich sah mein Gesicht“. Aufgezeichnet wird in der Kakadu Bar im Theater Mainz.

Gespräch mit Ulrikka S. Gernes zu „Kamikaze“, Poesiefestival Berlin, Dänische Botschaft, 5. Juni 2026

Ulrikka S. Gernes (geboren 1965 in Ängelholm, Schweden) ist eine dänische Schriftstellerin und Lyrikerin. Sie wurde in Schweden als Kind dänischer Eltern geboren und zog im Alter von 22 Jahren nach Kopenhagen, wo sie heute noch lebt. Sie debütierte mit dem Gedichtband Natsværmer (Nachtfalter), als sie gerade einmal 18 Jahre alt war. Es folgten zehn weitere Bände, der jüngste erschien 2012 unter dem Titel Flosset opus for strygere & blæsere (Zerfleddertes Werk für Streicher und Bläser). Von ihrem 2012 verstorbenen Übersetzer Hanns Grössel, der sich unter Kolleg:innen einen fast schon legendären Ruf durch seine Übersetzungen von Inger Christensen und Nobelpreisträger Tomas Tranströmer erwarb, liegt eine fertige Fassung ihres im Original 1999 erschienenen Buches Kamikaze vor. Darin verarbeitet Gernes die Nachwirkungen des langsamen Sterbens einer ihr nahestehenden Person und überträgt das Erlebte in kühne, eindrückliche Bilder, etwa wenn es am Ende eines der Gedichte heißt: „Steht die Geschichte deines Lebens / schon geschrieben im Staub auf dem Flügel / eines Kamikaze-Nachtfalters, / der trunken vor Glück in derselben Sekunde / im Flug seiner Vereinigung mit dem Mond / dem Wasserspiegel entgegenstürzt?“

Jetzt ist mit Ein Mädchen verließ das Zimmer (Gutkind Verlag, 2026; deutsche Übersetzung: Ursel Allenstein) erstmals ein Roman von Ulrikka S. Gernes erschienen, der international für Furore sorgt. Gernes’ Prosa verrät auf jeder Seite das Temperament und Sprachgefühl der Lyrikerin. Das Buch erzählt im Rückblick die Geschichte eines schleichenden Missbrauchs im linksalternativen Milieu der 1980er-Jahre. Die Erzählerin, die damals 14-jährige Tanja, geht ein Verhältnis mit einem deutlich älteren Schriftstellerfreund der Eltern ein. Erstaunlich ist, dass sich dies anscheinend mit Billigung der Familie vollzieht – unter dem Deckmantel einer libertinären Sexualmoral, die sich aufgeklärt gibt und gleichzeitig die Augen vor einer offenkundigen Straftat verschließt.

Ulrikka S. Gernes liest aus ihrem Roman und wird von der Literaturkritikerin Beate Tröger dazu befragt. Außerdem stellt sie einige neuere Gedichte vor, die von Ursel Allenstein eigens für diese Veranstaltung übersetzt wurden.

Die Veranstaltung wird dänisch-deutsch gedolmetscht.
Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen

Wortmeldungen. Gespräch mit Volha Hapeyeva und Liv Thastum, Crespo Foundation, 27. Mai 2026

Identität und Zugehörigkeit reflektieren, in Landschaften auf Spurensuche gehen, Sprachen erproben und kombinieren – dies sind Themen und Herangehensweisen, die in den Texten „åben die erda“ von Liv Thastum und „Wörterbuch einer Nomadin“ von Volha Hapeyeva zentral sind. Auch wenn das eine ein Lyrik- und das andere ein Essayband ist, so scheinen sie sich doch gegenseitig zu belegen, zu kommentieren, zu ergänzen. Über diese besondere Verbindung beider Arbeiten bringt die Moderatorin Beate Tröger die Autorinnen ins Gespräch.

Volha Hapeyva hat 2022 den WORTMELDUNGEN Ulrike Crespo Literaturpreis für ihren Essay „Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils“ verliehen bekommen. Liv Thastums Text „Abzulegen, das Blau“ wurde 2024 mit dem WORTMELDUNGEN Ulrike Crespo Förderpreis ausgezeichnet.