Über mich

Willkommen!

Diese Seite gibt Ihnen einen Überblick über meine Arbeit als Literaturkritikerin, Jurorin und Moderatorin. Sie gibt auch Einblick in mein Text-Archiv,  das ich hier sukzessive zugänglich machen werde.

Während meines Studiums habe ich damit begonnen, über Bücher, Filme  im Grunde aber all das zu schreiben, was meine Aufmerksamkeit fesselt und meine Wahrnehmung schärft und erweitert. Nach Stationen im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bei der Berliner Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und in der Zeitschriftenredaktion von Schott Music in Mainz schreibe ich heute für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften, arbeite frei für den Hörfunk und als Moderatorin.

Ich bin Mitglied in der Jury des Orphil-Preises der Stadt Wiesbaden und im Redaktionsbeirat der Frankfurter Hefte.

Über Nachrichten und Anfragen freue ich mich. Kontaktieren Sie mich gerne.

Heike Gallmeier: Vertigo

Normalerweise schreibe ich Kritiken für Print und Hörfunk. Selten kommt es auch einmal vor, dass ich Texte lektoriere und mit den Autoren darüber diskutiere. Mit der Berliner Künstlerin und UdK-Professorin Heike Gallmeier verbindet mich seit Jahrzehnten eine unschätzbare Freundschaft. Ihre Texte für den Katalog „Vertigo“ zu lesen, mit ihr zu diskutieren und zu überarbeiten, war in anderer Weise spannend als die Reise, die sie in Ausstellungen und im Katalog ästhetisch transformiert. Die gemeinsame Arbeit an ihren Texten war auch eine schöne, abenteuerliche und eine glückliche „Reise“.

Der Katalog „Vertigo“ dokumentiert eine Reise von Berlin nach Northampton und die aus dieser Fahrt resultierenden Ausstellungen. Heike Gallmeier hat während ihrer Reise in einem zum mobilen Wohnatelier umgebauten Transporter aus gefundenen Materialien temporäre Installationen gebaut. Auf dem Weg durch Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und Großbritannien hat sie Autobahnen und Hauptstraßen vermieden. Anstatt die kürzeste Route zu wählen, ist sie auf Landstraßen und durch Wohngebiete gefahren. An ihrem Ziel, dem NN Contemporary Art in Northampton, angekommen, hat sie den Innenraum des Transporters in den Ausstellungsraum versetzt und, zusammen mit großformatigen Fotografien, die auf dem Weg gefundenen Materialien zu neuen Installationen verarbeitet.

Den von Andreas Koch grafisch  schön gestalteten Katalog gibt es hier.

Zurück zum Text (Freitag online 25.05.2018)

Christian Kracht. Bringt das Verfestigte in Bewegung. Das wünsche ich mir von der Literatur / der Kunst. Und: ich brauche keine Kunstwerke, die mir von vornherein ihre moralische Reinheit und politische Korrektheit unter die Nase reiben.
Ich bevorzuge Vieldeutigkeit, Offenheit — umso mehr, wenn ich die Perfektion des Handwerkes sehe, in der auch ein Ort für Fehler ist. Klingt das kryptisch? Dann habe ich mich angemessen artikuliert. Mehr offene Frage hier.

 

 

 

Dreh dich (nicht) um (Der Freitag online)

Für den Freitag besuche ich die Frankfurter Poetikvorlesung von Christian Kracht. Nach der ersten der drei Vorlesungen habe ich erste Eindrücke und Überlegungen aufgeschrieben, leider sehr in Eile und — wie wohl alle, die am 15. Mai im Hörsaal 1 der Johann Wolfgang Goethe-Universität saßen –, adäquat auf das zu reagieren, worüber Kracht an diesem Abend sprach: über den Missbrauch, der er als Schüler des kanadischen Lakefield College erlebt hat.

Der Kontrast zwischen den allenfalls homöopathisch dosierten autobiographischen Kommentaren des Autors und diesen „Confessiones“ hätte krasser nicht ausfallen können.

Die Frage, ob es für nicht Missbrauchte überhaupt möglich ist, adäquat auf eingestandene Missbrauchserfahrungen zu reagieren, ist keine literaturwissenschaftliche, das ist ja klar. Aber ignorieren lässt sie sich nicht, auch dann nicht, wenn man, wie es einige bereits nach der ersten Vorlesung getan haben, und wie Kracht in der gestrigen zweiten Sitzung es selbst weiter befördert hat, der Erinnerung, die der Autor in der ersten Vorlesung als rückkoppelbar an reale Erfahrung geschildert hat, dann  doch wieder misstraut.

„Unschärfe“ und „Quantenverschiebung“, „Hochstapelei“ (unter Bezug auf T. S. Eliot) und „Parodie“ — mit all diesen Begriffen unterminierte Kracht gestern seine wuchtigen Missbrauchsschilderungen.

Worauf läuft das hinaus? Auf so etwas wie eine „Auflösung“ in der dritten und letzten Vorlesung am kommenden Dienstag zu hoffen, ist natürlich naiv. Dieser Autor ist schlauer als die meisten seiner Leser, auch das steht fest. Hier der Link zu meinem Online-Bericht im Freitag. (Die gröbsten Fehler darin sind nun hoffentlich auch beseitigt.)