Rezension Kate Tempest „Brand New Ancients“ (Deutschlandfunk)

Für den Büchermarkt habe ich Kate Tempests Debütgedichtband „Brand New Ancients“ besprochen. Die junge, britische Autorin und Rapperin Kate Tempest aus London füllt mir ihrer Spoken Word-Poetry regelmäßig Konzertsäle. Nun erscheint mit „Brand New Ancients“ Tempests Lyrik-Debüt auch auf Deutsch, mit dem sie 2013 den renommierten Ted Hughes Award für besonders innovative Lyrik einheimste. Lesen und Hören!

 

Rezension Dorothy Parkers Gesammelte Gedichte „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ (Freitag)

Dorothy Parkers Gedichte sind zum Teil fast hundert Jahre alt und dennoch klingen viele von ihnen frisch und unverbraucht. Ihre Gedichte sind von Ulrich Blumenbach eindrucksvoll übersetzt worden und nun im Zürcher Dörlemann Verlag erschienen. Ich habe die Neuerscheinung im Rahmen eines skizzenhaften Porträts von Parker eingebunden. Erschienen ist der Text im Freitag und hier kann man ihn lesen!

Lyrikgespräch über Christine Lavants Nachlass- und Dorothy Parkers Gesammelte Gedichte (Deutschlandfunk)

Im Büchermarkt des Deutschlandfunk waren am Pfingstmontag Insa Wilke, Michael Braun und ich im Gespräch über Christine Lavants „Gedichte aus dem Nachlass“ (Wallstein Verlag) und Dorothy Parkers Gesammelte Gedichte unter dem Titel „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ (Dörlemann Verlag) zu hören. Im Fall von Parker waren wir nicht nur von den Gedichten, sondern auch von Ulrich Blumenbachs Übersetzung begeistert. Hören!

Shakespeare reloaded (Frankfurter Hefte)

Im Januar starb mit David Bowie einer der originellsten, kreativsten und visionärsten Popmusiker unserer Zeit. Bowie erfand sich als Künstler und Musiker immer wieder neu und interessierte sich brennend für Innovationen, deren Zukunftsfähigkeit er früh begriff: »Es gibt eine Menge hellsichtige Sätze, die beweisen, wie weit Bowie seiner Zeit voraus war. Die Musik selbst, sagte er 2002, werde ähnlich omnipräsent sein wie fließendes Wasser oder Elektrizität«, schreibt dazu Michael Moorstedt in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 17. Januar 2016 unter dem Titel »David Bowie als Internet-Prophet«. Damit nahm Bowie, so folgert Moorstedt, Streaming-Portale wie Spotify vorweg. Er erschuf in seinen Bühnenshows und Alben visionäre Wesen, die zu Ikonen geworden sind, und viele Sentenzen aus seinen Songs wurden zu geflügelten Worten, so etwa »I will be King. /And you, you will be Queen« in Heroes.
In Space Oddity auf dem gleichnamigen Album von 1969 lässt Bowie im Titellied die Figur des Major Tom sprechen, der im All unterwegs ist:
»Here am I sitting in a tin can /
Far above the world /
Planet earth is blue /
And there’s nothing I can do«.
Nicht nur eingefleischte Bowie-Fans haben über diese enigmatischen Zeilen gerätselt, sie auf Bowies zeitweilige Heroinsucht bezogen, gestützt durch eine spätere Verszeile: »We know Major Tom’s a junkie« aus Ashes to ashes.
Faszinierend daran ist, mit welcher Selbstverständlichkeit es dem Künstler Bowie in Space Oddity gelingt, zwei einschneidende Menschheitserfahrungen zu poetisieren: die bemannte Raumfahrt und die Mondlandung durch Neil Armstrong und Edwin Aldrin am 21. Juli 1969. Bowies Transformation der technischen Errungenschaft in Poesie bringt einen Songtext hervor, der die beängstigende wie triumphale Ausgesetztheit des Menschen im All in vieldeutige Verse fasst, die ersichtlich daran wird, dass das englische Wort »blue« auch die Bedeutung »traurig« hat, wodurch die Songzeile gewissermaßen eine Einsicht in die Dialektik der Aufklärung mittranspor-
tiert.

Die Gier auf alles Neue, die sich auch in seiner Kunst niederschlag, rückt David
Bowie in die Nähe eines weiteren großen Engländers, William Shakespeare, der im April 1616, also fast 400 Jahre vor Bowie, starb. Lesen!

Sylvia Plaths Gedichtbände „The Colossus“ und „Crossing the Water“ liegen in deutscher Erstübersetzung vor (Der Freitag)

Pilze gibt es im Moment nicht im Wald, nur in der Lyrik, aber was heißt da „nur“. Mushrooms, so der Titel des englischen Originals, das zuerst 1960 in dem Band The Colossus and Other Poems erschien, ist eines unter zahlreichen eindrucksvollen Dinggedichten der Autorin Sylvia Plath. Es beschreibt die „Pilzhaftigkeit“ nicht nur über Verben und Adjektive, sondern nähert sich den Vertretern dieser eigenen Art, ihrem stillen, zähen, im Pulk aus der Erde ans Licht drängenden Wachstum auch lautlich virtuos an. Weiterlesen!