Rezension „Ankunft eines weiteren Tages“. Lyrik aus Südafrika (Der Freitag)

Manchmal trifft ein Gedicht geradewegs einen Nerv. „Auf Julies Speisezettel“ von Vonani Bila ist so ein Gedicht. Es steht in Ankunft eines weiteren Tages, einem Band mit südafrikanischer Lyrik, den die Literaturwissenschaftlerin Indra Wussow zusammengestellt hat, ins Deutsche übersetzt wurden die Gedichte von der Lyrikerin Sylvia Geist. Auf Julies Speisezettel verstört. Es beschreibt einen Mann, der neben der Müllkippe eines Krankenhauses herumlungert, nicht etwa, weil er auf Essensreste wartet – Julie passt ab, wann man dort tote Babys entsorgt. Über einem Feuer brodelt sein Topf, in den niemand schauen darf, darin kocht er einen grausigen Brei: „Er erzählt neugierigen Passanten, Patienten/Wächtern & Besuchern/Es wäre Kaninchen, was er kaut.“ Von dem Tag an, an dem ihn die Krankenhausverwaltung erwischt, werden die Babys verbrannt. Und Julie „ist verschwunden/Aber kein Mensch vermisst ihn“, heißt es in Bilas Gedicht lapidar. Grausig wie eine Gestalt aus Grimms Märchen, ist der unbehauste Kannibale die Symbolfigur einer Welt, in der heftige Armut noch die größten Tabus bricht. Weiterlesen!

Interview mit Helmut Oehring (Üben&Musizieren)

Helmut Oehring wurde 1961 in Ost-Berlin geboren. Seinen Weg zur Musik fand er auf Umwegen, denn seine Eltern waren gehörlos. Helmut Oehring hat in verschiedenen Berufen Erfahrungen gesammelt, war unter anderem Bauarbeiter und Friedhofsgärtner, ehe seine Laufbahn als Komponist begann. Heute zählt er zu den maßgeblichen zeitgenössischen Komponisten, sein OEuvre umfasst über 250 Werke.  Weiterlesen!

Rezension Steffen Popp „Im Dickicht mit Reden und Augen“ (Der Freitag)

Steffen Popp hat das Gedicht einmal mit einer Schaltung verglichen, „die mit verschiedenartigen Lampen und Strahlern bestückt zunächst dunkel herumsteht“. Dickicht mit Reden und Augen heißt der dritte Gedichtband des 1978 geborenen Lyrikers. Jedes Dickicht ist, wie die dunkel herumstehende Schaltung, ebenfalls eine tendenziell dunkle Angelegenheit, ein Terrain, durch das man sich seinen Weg erst bahnen muss. Ob die im Titel genannten „Reden“ und die „Augen“, die an eine Comiczeichnung denken lassen, in der weiße Augäpfel mit dunklen Sehschlitzen aus einer schwarzen Fläche starren, eher beruhigen oder verstören? Weiterlesen!

Elisabeth Edls Neuübersetzung von Gustave Flauberts „Madame Bovary“ (Klappentext)

Ein literarisches Werk von Weltrang in eine andere Sprache hinüberzutragen, ist immer wieder ein Abenteuer für Übersetzer, Leser und – sofern sie noch am Leben sind – Autoren. Der Übersetzer muss dabei die vertrackte Aufgabe lösen, sich so weit in die feinsten Verästelungen des Stils des Autors hineinzubegeben, dass eine Entsprechung des Textes zum Original in einer anderen Sprache glaubhaft zu lesen ist. „Elisabeth Edls Neuübersetzung von Gustave Flauberts „Madame Bovary“ (Klappentext)“ weiterlesen