Shakespeare reloaded (Frankfurter Hefte)

Im Januar starb mit David Bowie einer der originellsten, kreativsten und visionärsten Popmusiker unserer Zeit. Bowie erfand sich als Künstler und Musiker immer wieder neu und interessierte sich brennend für Innovationen, deren Zukunftsfähigkeit er früh begriff: »Es gibt eine Menge hellsichtige Sätze, die beweisen, wie weit Bowie seiner Zeit voraus war. Die Musik selbst, sagte er 2002, werde ähnlich omnipräsent sein wie fließendes Wasser oder Elektrizität«, schreibt dazu Michael Moorstedt in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 17. Januar 2016 unter dem Titel »David Bowie als Internet-Prophet«. Damit nahm Bowie, so folgert Moorstedt, Streaming-Portale wie Spotify vorweg. Er erschuf in seinen Bühnenshows und Alben visionäre Wesen, die zu Ikonen geworden sind, und viele Sentenzen aus seinen Songs wurden zu geflügelten Worten, so etwa »I will be King. /And you, you will be Queen« in Heroes.
In Space Oddity auf dem gleichnamigen Album von 1969 lässt Bowie im Titellied die Figur des Major Tom sprechen, der im All unterwegs ist:
»Here am I sitting in a tin can /
Far above the world /
Planet earth is blue /
And there’s nothing I can do«.
Nicht nur eingefleischte Bowie-Fans haben über diese enigmatischen Zeilen gerätselt, sie auf Bowies zeitweilige Heroinsucht bezogen, gestützt durch eine spätere Verszeile: »We know Major Tom’s a junkie« aus Ashes to ashes.
Faszinierend daran ist, mit welcher Selbstverständlichkeit es dem Künstler Bowie in Space Oddity gelingt, zwei einschneidende Menschheitserfahrungen zu poetisieren: die bemannte Raumfahrt und die Mondlandung durch Neil Armstrong und Edwin Aldrin am 21. Juli 1969. Bowies Transformation der technischen Errungenschaft in Poesie bringt einen Songtext hervor, der die beängstigende wie triumphale Ausgesetztheit des Menschen im All in vieldeutige Verse fasst, die ersichtlich daran wird, dass das englische Wort »blue« auch die Bedeutung »traurig« hat, wodurch die Songzeile gewissermaßen eine Einsicht in die Dialektik der Aufklärung mittranspor-
tiert.

Die Gier auf alles Neue, die sich auch in seiner Kunst niederschlag, rückt David
Bowie in die Nähe eines weiteren großen Engländers, William Shakespeare, der im April 1616, also fast 400 Jahre vor Bowie, starb. Lesen!

Patti Smith wird 70 (Frankfurter Hefte)

Immer wieder war er als Kandidat für den Literaturnobelpreis im Gespräch gewesen. Am 13. Oktober 2016 geschah dann, womit keiner mehr ernsthaft gerechnet hatte.Maik Brüggemeyer etwa, Redakteur beim Musikmagazin
Rolling Stone, kommentierte im Deutschlandfunk: »Jahrelang hatten wir in der Redaktion vor der Verkündung immer wieder darauf spekuliert, hatten Jahr für Jahr Vorbereitungen getroffen. In diesem Jahr nicht. Und dann war es soweit«: Bob Dylan, am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota geboren, erhält den Nobelpreis für Literatur Lesen!

Interview mit Detlef Glanert (Üben & Musizieren)

Von 2009 bis 2011 hatte der Komponist Detlev Glanert die Künstlerische Leitung des 1976 von Hans Werner Henze gegründeten „Cantiere Internazionale d’Arte“ in Montepulciano inne. 1960 in Hamburg geboren, unternahm Detlev Glanert im Alter von zwölf Jahren erste Kompositionsversuche und erhielt den ersten Instrumentalunterricht. Nach seinem Studium der Komposition und der Musiktheorie bei Diether de la Motte, Günther Friedrichs und Frank Michael Beyer sowie für weitere vier Jahre bei Hans Werner Henze in Köln lebt Glanert seit 1987 in Berlin. Hier spricht er über seine Zeit in Montepulciano. Weiterlesen!

Interview mit Elke Heidenreich (Üben&Musizieren)

Elke Heidenreich wuchs in Essen als Tochter eines Kfz-Mechanikers und Tankstelleninhabers auf. Sie studierte Germanistik, Publizistik, Theatergeschichte und Religionswissenschaft. Ab 1970 arbeitete sie als freie  Autorin für Presse, Funk und Fernsehen. Nach mehreren Jahren als Moderatorin und Kolumnistin wandte sie sich ab den 1990er Jahren zunehmend der Literatur zu und moderierte von 2003 bis 2008 die ZDF-Sendung „Lesen!“.  Im Herbst 2009 startete sie die auf Musikthemen  ausgerichtete „Edition Elke Heidenreich“ im Verlag C.  Bertelsmann.
Neben der Literatur ist die Oper das zweite große Gebiet, für das sich Elke Heidenreich besonders einsetzt. Von 1996 bis 2008 schrieb und bearbeitete sie die Libretti für Opernstücke, die an der Kölner Kinderoper zur  Aufführung gebracht werden. Seit der Gründung der Kölner  Kinderoper zählt Elke Heidenreich, die sich inzwischen aus  der Programmarbeit zurückgezogen hat, zu ihren größten Förderern.
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Interview mit Heinz Strunk (Üben & Musizieren)

Mit dem 2004 erschienenen autobiografischen Buch „Fleisch ist mein Gemüse“, das den Untertitel „Eine Land­jugend mit Musik“ trägt, wurde der 1962 unter dem Namen Mathias Halfpape geborene Musiker und Humorist Heinz Strunk zu einem Bestsellerautor. Strunk, der nach Abitur und Musikstudium als Musiker und Komponist arbeitete, schildert in Fleisch ist mein Gemüse satirisch seine Kindheit und Jugend, seine musikalische Entwicklung mit Unterricht auf Geige und Saxofon, besonders aber die Zeit, in der er seine Existenz als Unterhaltungsmusiker in der drittklassigen Showband Tiffanys sicherte. Mit Tiffanys tourte Strunk durch die Bierzelte und Tanzsäle Norddeutschlands. Seine Beobachtungen, deren nachdenklicher Unterton unüberhörbar ist, erzählen von einem Segment der Musik, das auf den ersten Blick keiner Reflexion bedarf – die Lektüre von „Fleisch ist mein Gemüse“ belehrt einen schnell eines Besseren. Im Jahr 2008 wurde Strunks Bestseller von Christina Görlitz verfilmt. Der Film, in dem Strunk auch selbst auftritt, erhielt das Prädikat „Wertvoll“. Zurzeit ist Strunk vor allem als Autor präsent, nach „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004) erschienen die Romane „Die Zunge Europas“ (2008) und „Fleckenteufel“ (2009). Letzteren stellt Strunk im Rahmen umfangreicher Lesereisen vor. Zum Beitrag!