Stuttgarter Lyriknacht (Freitag, 7. September 2018)

Am 7. September 2018 habe ich im Rahmen der Stuttgarter Lyriknacht mit Sylvia Geist über ihren 2018 erschienenen Gedichtband „Fremde Felle“ (Hanser Berlin) gesprochen. Sylvia Geists in fünf Kapitel gegliederter Gedichtband, nähert sich, wie der Titel schon verrät, unbekannten Situationen, Zuständen, dem Wilden in der Zivilisation und dem Zivilisatorischen im Lebendigen und Wilden. Schauplätze der Gedichten sind ländliche Räume und Szenerien, aber auch transitorische Orte wie Flughäfen und Bahnhöfe.
Sylvia Geists Gedichte arbeiten häufig mit minimalen Verschiebungen im Klang, was sich schon an der Homophonie des Wortes „Felle“ zeigt, das man im Hören ja auch als „Fälle“ auffassen kann. Und tatsächlich schlüpfen die Gedichte manchmal in Hüllen, betrachten aber auch manchmal aus einer kritischen Halbdistanz das Angeschaute, Wahrgenommene, Erinnerte.

Es war eine schöne Lesung und ein anregendes Gespräch, an das ich gerne denke und in dessen Erinnerung ich die Lyrik von Sylvia Geist, die im Übrigen auch eine tolle Übersetzerin ist, sehr gerne wiederlesen werde.

Die besten Lyrikdebuts 2017 (22.2.2018, Haus für Poesie, Berlin)

Ob es tatsächlich die besten Lyrikdebuts des Jahres 2017 sind? Nun, über Geschmack lässt sich streiten. Aber leicht gemacht habe ich es mir nicht mit meiner Auswahl. Am 22. Februar 2018 stelle ich dann meine Auswahl im Haus der Poesie in der Kulturbrauerei Berlin vor.

In Sibylla Vričić Hausmanns (geb. 1979 in Wolfsburg) Debüt „3 Falter“ (poetenladen verlag 2017) geht es um die „instabilen Zu­stände des Begehrens“ (Michael Braun). Hausmanns Texte über das dunkle Verlangen, über Falter und Dreifaltigkeit sind geprägt von Begegnungen mit Unica Zürn und Maria Sibylla Merian.

Ilse Helbichs (geb. 1923 in Wien) Buch „Im Gehen“ (Droschl Verlag 2017) ist das späte Lyrikdebüt einer 94­jährigen Autorin, die mit Prosa bekannt wurde. Es versammelt Gedichte aus vier Jahrzehnten, die sprachlich mit dem Nötigsten auskommen, um das Unwiederbringliche des Vergangenen zu beschwören.

In Judith Henne­manns (geb. 1975 in Papenberg/Ems) Band „Bauplan für etwas anderes“ (axel dielmann­verlag 2017) gibt es Kampfdrohnen, Leitfossile und Feld­ spatstrände. Es sind „agile Kompositionen“ (fixpoetry), die kühn und eigenwillig am Rand des Fachsprachlichen operieren.

Felix Schiller (geb.1986 in Weißenburg in Bayern) folgt in seinem Debüt „regionale konflikte“ (hochroth Verlag 2017) der Tradition eines politischen Schreibens. In dem Langgedicht in 29 Teilen bindet er die vielfachen Auswirkungen politischer Verwerfungen im europäischen Raum in ein streng ästhetisches Programm zwischen Suada und Litanei.

(zit. nach Haus für Poesie)

Kommt alle!

Gespräch mit Norbert Hummelt über „Fegefeuer“ am 30.06.2017 (Frankfurter Lyriktage)

Am 30. Juni habe ich im Rahmen der Frankfurter Lyriktage mit Norbert Hummelt in der Burgvilla Eppstein über seinen Gedichtband „Fegefeuer“ gesprochen: „Norbert Hummelts jüngst erschienener Gedichtband „Fegefeuer“ (2016) zeigt einen Dichter der mittleren Generation auf der Höhe seines Könnens. In kurzen Momentaufnahmen, die (neben dem Berlin von heute) das Rheinland der sechziger Jahre evozieren, kartiert er Menschen und Landschaften, die noch vom jüngst vergangenen Krieg gezeichnet sind. Sein lyrisches Ich hat die Mitte des Lebens erreicht, als es seine Kindheit vergegenwärtigt. Der Erinnerung entlockt es Szenen und Impressionen, in denen die Zeit verkapselt scheint. Immer wieder taucht der Vater auf, dessen Tod alles andere überschattet. „In subtil geflochtenen Terzinen, diskret gesetzten Binnenreimen und ruhig dahinfließenden Langzeilen durchquert dieser Dichter die Dämmerzonen zwischen Traum und Trance, Meditation und Visionen, in denen die Stimmen der Toten hörbar werden“, so der Kritiker Michael Braun in seiner Würdigung des Buches.“