Die besten Lyrikdebuts 2017 (22.2.2018, Haus für Poesie, Berlin)

Ob es tatsächlich die besten Lyrikdebuts des Jahres 2017 sind? Nun, über Geschmack lässt sich streiten. Aber leicht gemacht habe ich es mir nicht mit meiner Auswahl. Am 22. Februar 2018 stelle ich dann meine Auswahl im Haus der Poesie in der Kulturbrauerei Berlin vor.

In Sibylla Vričić Hausmanns (geb. 1979 in Wolfsburg) Debüt „3 Falter“ (poetenladen verlag 2017) geht es um die „instabilen Zu­stände des Begehrens“ (Michael Braun). Hausmanns Texte über das dunkle Verlangen, über Falter und Dreifaltigkeit sind geprägt von Begegnungen mit Unica Zürn und Maria Sibylla Merian.

Ilse Helbichs (geb. 1923 in Wien) Buch „Im Gehen“ (Droschl Verlag 2017) ist das späte Lyrikdebüt einer 94­jährigen Autorin, die mit Prosa bekannt wurde. Es versammelt Gedichte aus vier Jahrzehnten, die sprachlich mit dem Nötigsten auskommen, um das Unwiederbringliche des Vergangenen zu beschwören.

In Judith Henne­manns (geb. 1975 in Papenberg/Ems) Band „Bauplan für etwas anderes“ (axel dielmann­verlag 2017) gibt es Kampfdrohnen, Leitfossile und Feld­ spatstrände. Es sind „agile Kompositionen“ (fixpoetry), die kühn und eigenwillig am Rand des Fachsprachlichen operieren.

Felix Schiller (geb.1986 in Weißenburg in Bayern) folgt in seinem Debüt „regionale konflikte“ (hochroth Verlag 2017) der Tradition eines politischen Schreibens. In dem Langgedicht in 29 Teilen bindet er die vielfachen Auswirkungen politischer Verwerfungen im europäischen Raum in ein streng ästhetisches Programm zwischen Suada und Litanei.

(zit. nach Haus für Poesie)

Kommt alle!

Gespräch mit Norbert Hummelt über „Fegefeuer“ am 30.06.2017 (Frankfurter Lyriktage)

Am 30. Juni habe ich im Rahmen der Frankfurter Lyriktage mit Norbert Hummelt in der Burgvilla Eppstein über seinen Gedichtband „Fegefeuer“ gesprochen: „Norbert Hummelts jüngst erschienener Gedichtband „Fegefeuer“ (2016) zeigt einen Dichter der mittleren Generation auf der Höhe seines Könnens. In kurzen Momentaufnahmen, die (neben dem Berlin von heute) das Rheinland der sechziger Jahre evozieren, kartiert er Menschen und Landschaften, die noch vom jüngst vergangenen Krieg gezeichnet sind. Sein lyrisches Ich hat die Mitte des Lebens erreicht, als es seine Kindheit vergegenwärtigt. Der Erinnerung entlockt es Szenen und Impressionen, in denen die Zeit verkapselt scheint. Immer wieder taucht der Vater auf, dessen Tod alles andere überschattet. „In subtil geflochtenen Terzinen, diskret gesetzten Binnenreimen und ruhig dahinfließenden Langzeilen durchquert dieser Dichter die Dämmerzonen zwischen Traum und Trance, Meditation und Visionen, in denen die Stimmen der Toten hörbar werden“, so der Kritiker Michael Braun in seiner Würdigung des Buches.“

Gespräch „Lyrik im Hier und Jetzt“ am 23.06.2017 (Frankfurter Lyriktage)

Am 23. Juni 2017 habe ich im Rahmen der Frankfurter Lyriktage mit Daniela Seel, Max Czollek über ihre Doppelrolle als Autor*innen und Literaturvermittler*innen gesprochen. Die Vorschau im Programm kündigte die Veranstaltung so an:  „Die Gegenwartslyrik ist wieder en vogue. Ihr Aufschwung verdankt sich nicht zuletzt dem Aktivismus einer Generation, die sich mit dem Schattendasein am Rand des Literaturbetriebs nicht länger abfindet. Junge Lyrikerinnen und Lyriker erproben nicht nur neue Ausdrucksformen und Sprechweisen, sondern gründen autonome Publikationsorgane und schließen sich in Kollektiven und Netzwerken zusammen. Wo alte Strukturen im Verschwinden begriffen sind, weil sie sich als untauglich erweisen, entsteht so etwas Neues.“