Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil (Rowohlt)

Für das Literaturblatt Baden-Württemberg habe ich eine kurze Besprechung zu Ijoma Mangolds „Das deutsche Krokodil“ geschrieben. Ein merkwürdiges Buch, das zwischen Autobiographie, soziologischem Selbstversuch und Bildungsroman määndriert. Ich habe ziemlich dran herumgekaut, aber zugleich fasziniert immer weitergelesen. Brüchige Bücher bleiben lange im Gedächtnis und lassen sich unter Umständen gut disktuieren. Das hier gehört dazu.

Über „Rot“ von Ted Hughes (Fixpoetry)

Für das Literaturportal Fixpoetry habe ich meine Lektüreeindrücke zu Ted Hughes‘ Gedicht „Rot“ aus seinem letzten zu Lebzeiten erschienenen Gedichtband „Birthday Letters“ aufgeschrieben. Es gibt auch eine Version, die mit mehr Fußnoten arbeitet. Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne bei mir melden. Hier geht es zur Online-Version. Lesen!

Shakespeare reloaded (Frankfurter Hefte)

Im Januar starb mit David Bowie einer der originellsten, kreativsten und visionärsten Popmusiker unserer Zeit. Bowie erfand sich als Künstler und Musiker immer wieder neu und interessierte sich brennend für Innovationen, deren Zukunftsfähigkeit er früh begriff: »Es gibt eine Menge hellsichtige Sätze, die beweisen, wie weit Bowie seiner Zeit voraus war. Die Musik selbst, sagte er 2002, werde ähnlich omnipräsent sein wie fließendes Wasser oder Elektrizität«, schreibt dazu Michael Moorstedt in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 17. Januar 2016 unter dem Titel »David Bowie als Internet-Prophet«. Damit nahm Bowie, so folgert Moorstedt, Streaming-Portale wie Spotify vorweg. Er erschuf in seinen Bühnenshows und Alben visionäre Wesen, die zu Ikonen geworden sind, und viele Sentenzen aus seinen Songs wurden zu geflügelten Worten, so etwa »I will be King. /And you, you will be Queen« in Heroes.
In Space Oddity auf dem gleichnamigen Album von 1969 lässt Bowie im Titellied die Figur des Major Tom sprechen, der im All unterwegs ist:
»Here am I sitting in a tin can /
Far above the world /
Planet earth is blue /
And there’s nothing I can do«.
Nicht nur eingefleischte Bowie-Fans haben über diese enigmatischen Zeilen gerätselt, sie auf Bowies zeitweilige Heroinsucht bezogen, gestützt durch eine spätere Verszeile: »We know Major Tom’s a junkie« aus Ashes to ashes.
Faszinierend daran ist, mit welcher Selbstverständlichkeit es dem Künstler Bowie in Space Oddity gelingt, zwei einschneidende Menschheitserfahrungen zu poetisieren: die bemannte Raumfahrt und die Mondlandung durch Neil Armstrong und Edwin Aldrin am 21. Juli 1969. Bowies Transformation der technischen Errungenschaft in Poesie bringt einen Songtext hervor, der die beängstigende wie triumphale Ausgesetztheit des Menschen im All in vieldeutige Verse fasst, die ersichtlich daran wird, dass das englische Wort »blue« auch die Bedeutung »traurig« hat, wodurch die Songzeile gewissermaßen eine Einsicht in die Dialektik der Aufklärung mittranspor-
tiert.

Die Gier auf alles Neue, die sich auch in seiner Kunst niederschlag, rückt David
Bowie in die Nähe eines weiteren großen Engländers, William Shakespeare, der im April 1616, also fast 400 Jahre vor Bowie, starb. Lesen!

Zur Darstellung der „Provinz“ in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (Frankfurter Hefte)

Das Wort „Provinz“ wird häufig abwertend gebraucht. Darüber sollte mansich gründlicher nachdenken . Wer herablassend auf die Provinz blickt, verallgemeinert vorschnell, was zu weitreichenden Konsequenzen führen kann„Die Rache der Dörfer“, von der kürzlich in einem Beitrag im Deutschlandfunk mit Blick auf Donald Trumps Wahlsieg die Rede war, der hierin als „kulturelle Konfrontation zwischen dem Land und den Städten“ gedeutet wurde, darf nicht weiter geschürt werden. Der Ethnologe Wolfgang Kaschuba konstatierte in dem Radiobeitrag eine „kulturelle Konfrontation zwischen dem Land und den Städten“ und stellte fest: „Wir waren bisher der Meinung, dass die Vorstellung einer liberalen, einer offenen Stadtgesellschaft so etwas wie Konsens wäre, und jetzt bemerken wir, dass offenbar für größere soziale Gruppen die Vorstellung von großer Vielfalt, von großer Freiheit, von vielen Entscheidungsmöglichkeiten im Alltag, aber auch viel Verhandlungen möglicherweise eben auch eine stressige Vorstellung ist.“

Wie ländliche Räume im deutschsprachigen Roman der Gegenwart dargestellt sind werden, soll im Folgenden an vier Beispielen mit Fokus auf die Darstellung des technischen Fortschritts betrachtet werden. Lesen!