Die Mayröcker-Variationen / „1 Häufchen Blume 1 Häufchen Schuh“ (Der Literaturbote, Oktober 2018)

Björn Jager, Leiter des Hessischen Literaturforums im Mousonturm, hatte zu Beginn des Jahres 2018 die Idee, eine Ausgabe des Literaturboten Friederike Mayröcker zu widmen. Ausgangspunkt für die „Mayröcker-Variationen“ ist ein Text, den die Autorin extra für die Zeitschrift geschrieben hat. Auf seiner Folie  sind zahlreiche Gedichte und Prosatexte entstanden. Ich habe den Essay „1 Häufchen Blume,  1 Häufchen Schuh“ beigesteuert.

Mayröckers Text kam in einer schönen kühlen Woche und stand nachher wochenlang auf einer Buchstütze auf meinem Schreibtisch. Als ich mit dem Schreiben des Essays anfing, lag die tägliche Durchschnittstemperatur bei 30 Grad. Ich habe also bei der Arbeit daran viel geflucht, einmal sogar wild geheult, weil mein Hirn bei der Hitze einfach nicht schnell genug denken, das sich entladende Gewitter, das ich sehnsüchtig in der Hoffnung aus Abkühlung heraufziehen sehen hatte, nur noch unerträglichere Luft verursachte. Sie war nicht mehr nur heiß, sondern auch noch feucht.

Nun ist es kühl und ich erinnere mich frisch an die Auseinandersetzung mit Mayröckers Text, dessen Energie der Autorin ihm aus jeder Zeile abzulesen ist. Und die Hitze ist vergessen, man schafft ja doch meistens, was man sich vorgenommen hat. Ob es den anderen Autor*innen beim Schreiben auch so warm war? Wer weiß.

Wer die vielgestaltigen Beiträge nachlesen will,  bestelle das Heft hier.

Zeitschriftenumschau für den Literaturport

Stimmt es tatsächlich, dass Fachzeitschriften kaum mehr gelesen werden? Ich kann mir das kaum vorstellen, denn ich bin ein totaler Fan von literarischen Fachzeitschriften, von akzente bis Volltext. Für die Zeitschriftenumschau auf Literaturport habe ich mir vier ausgesucht, mit denen ich in besonderer Weise verbunden bin. Die Gründe dafür kann man hier nachlesen, um sich dann den Zeitschriften selbst zu widmen.

Münchner Lyrikpreis, 1. Vorrunde (Freitag, 20. Juli 2018)

Der 20. Juli ist ein gutes Datum für eine Jurysitzung, in diesem Fall ist es die Sitzung der 1. Vorrunde für den Lyrikpreis München, der 2018 wieder vom Lyrikpreis München e.V. ausgeschrieben wird. Es gibt in diesem Jahr zwei Vorrunden, im Oktober die Finallesung. In der ersten Vorrunde sitzen Michael Braun, Axel Sanjosé und ich in der Jury.

Die Vorjury, bestehend aus Karin Fellner, Markus Hallinger und Ulrich Schäfer-Newiger hat zur 1. Vorrunde eingeladen:

Kathrin Bach (Berlin)
Yevgeniy Breyger (Frankfurt a.M.)
Udo Kawasser (Wien)
Armin Steigenberger (München)
Elisa Weinkötz (Berlin)

Lea Sauer (Leipzig)

kann die Einladung nicht annehmen, da sie verhindert ist.

Die Lesung findet statt am 20. Juli 2018, um 19:30 im Münchner Literaturbüro, Milchstraße 4.

Die Moderation übernimmt Tristan Marquardt.

Die Modalitäten sind besondere, denn, so liest man auf der Webseite,  „der  Lyrikpreis München zeichnet sich durch den Dialog- und Werkstattcharakter der Wettbewerbslesungen aus. Er wendet sich explizit gegen den allgemeinen Usus, die den Lesenden eine Art »Schweigepflicht« auferlegt. Die Teilnehmenden sind ausdrücklich aufgefordert, sich an den Diskussionen über ihre Texte zu beteiligen und dabei konkrete Einblicke in ihre poetologischen und kompositorischen Überlegungen zu geben.“
Folglich diskutieren die Juror/inn/en mit den Autor/innen, und richten ihre Gedanken und die Kritik als Dialog-Beitrag (Frage, Vermutung, These) an die/den jeweiligen Autor/in. Das Publikum ist eingeladen, sich am Gespräch zu beteiligen.
Inzwischen haben wir die Lesungen gehört, allesamt waren eindrucksvoll, die Texte sehr unterschiedlich. Dass wir uns schließlich darauf geeinigt haben, Kathrin Bach und Yevgeniy Breyger ins Finale für den Münchner Lyrikpreis 2018 zu schicken, bedurfte langer Diskussionen, denn alle der Beitragenden vertreten ästhetische Konzepte mit je sehr eigenem Ton. Es war spannend und lehrreich, in der Jury mitmachen zu dürfen, dabei vor Publikum zu einem Urteil zu kommen, nicht grade die leichteste Übung.